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Vaillant eloBLOCK smart steuern: 9kW in 1kW-Schritten via PV-Überschuss

Vaillant eloBLOCK smart steuern: 9kW in 1kW-Schritten via PV-Überschuss

Vaillant eloBLOCK via Reverse Engineering smart gemacht: Von 3 starren Stufen (3/6/9 kW) auf flexible 1-9 kW Steuerung mit SMA Sunny Home Manager und PV-Überschuss.

Inhalt: Herausforderung · Lösung · Hardware · Software-Stack · Home Assistant · SMA SEMP · Ergebnisse · Learnings · Wunschzettel


Die Herausforderung

Viel Photovoltaik auf dem Dach, aber der Überschuss verpufft ins Netz. Das war meine Ausgangslage.

Mein Setup: Zwei Vaillant aroTHERM plus Wärmepumpen in Kaskade, ein 600-Liter-Pufferspeicher und ein Vaillant eloBLOCK als elektrischer Heizstab. Die Idee war simpel: PV-Überschuss direkt in Wärme umwandeln, statt ins Netz einzuspeisen.

Erste Überlegung: Zusätzliche Einschub-Heizstäbe für den Pufferspeicher kaufen. Aber teuer, und ärgerlich, weil ich mit dem eloBLOCK ja schon einen Heizstab im System habe.

Das Problem: Der eloBLOCK ist vom Hersteller nicht für direkte Steuerung vorgesehen. Im Normalbetrieb wird er erst bei hohen Solltemperaturen zugeschaltet, wenn der Kompressor nicht mehr hinterherkommt. Über PV-Ready der Wärmepumpe lässt sich zwar “Warmwasser schnell” triggern, aber auch dann nur mit der offiziell beworbenen “3-stufigen” Leistungsregelung. Intern lässt sich über den Diagnose-Parameter D.77 aber 1-9 kW einstellen. Bei 2 kW Überschuss? Pech gehabt. Bei 5 kW? Entweder 3 kW nutzen und 2 kW verschenken, oder 6 kW ziehen und 1 kW aus dem Netz kaufen. Beides suboptimal.

Dazu kam: Die Wärmepumpen takteten zu oft. Jeder Start des Kompressors bedeutet Verschleiß. Wenn ich den Überschuss stattdessen in den Heizstab leiten könnte, würde der Kompressor geschont.

Was sagt Vaillant dazu?

Ich habe beim Vaillant-Support angefragt. Die offizielle Antwort (Stand April 2025):

  • Die myVAILLANT App unterstützt keine Kaskadenschaltung
  • Bei PV-Überschuss springt die Wärmepumpe an, nicht der eloBLOCK

Parallel dazu: Grenzen der Standard-Integration. Mein Versuch, die Wärmepumpe per EEBUS mit dem Sunny Home Manager zu koppeln, zog sich über Monate:

  • SMA-Support (offen seit April 2025): Trotz IGMP-Debugging und Werks-Resets kein Fortschritt. Die Kopplung funktioniert einseitig: myVaillant zeigt PV-Daten, aber der Sunny Home Manager findet die Wärmepumpe nicht. Seitdem werde ich regelmäßig gefragt, ob das Problem noch besteht, aber bearbeitet wird es nicht.

  • Vaillant-Support: Ähnliches Bild.

  • GreenFlex EnergiePLUS: Nach initialer Teilnahme am Testprogramm kam die Absage - “Da die Energieaufnahme zweier Wärmepumpen über EnergiePLUS nicht ordnungsgemäß ausgewertet werden kann, wird ihr System leider nicht mehr unterstützt.”

Das Kernproblem: Kaskadenschaltungen werden weder über EEBUS noch über EnergiePLUS unterstützt. Wer zwei Wärmepumpen hat, fällt durchs Raster.

Die SMA-Hardware selbst - Sunny Home Manager, Wechselrichter, Wallbox - läuft bei mir seit 2021 absolut zuverlässig. Und die Vaillant aroTHERM plus? Fantastische Wärmepumpen, top verarbeitet. Mein Installateur, die Eberhard Rasper GmbH, hat bei der Planung und Installation großartige Arbeit geleistet und mir auch bei diesem Projekt mit seinem Fachwissen enorm geholfen.

Aber: Für mein spezifisches Setup - Kaskade + eloBLOCK + PV-Überschusssteuerung - gab es keine fertige Lösung. Also: selber bauen!

Was folgt ist eine experimentelle DIY-Lösung - nicht vom Hersteller unterstützt, nicht zertifiziert. Ähnlich wie bei meinem Telenot-Projekt: Ein Bastelprojekt für Technikbegeisterte, kein Ersatz für offizielle Integrationen.

Die Lösung

Nach viel Recherche und Trial-and-Error habe ich eine Lösung gefunden, die den eloBLOCK in 9 flexible 1-kW-Stufen verwandelt - ganz ohne EEBUS, ganz ohne offiziellen Support:

Der Trick: Der eloBLOCK hat intern einen Diagnose-Parameter D.77. Bei Vaillant-Geräten sind das Service-Codes, die am Gerätedisplay unter dem Menü “Diagnose” zugänglich sind - normalerweise für Installateure gedacht. Dieser Parameter (intern: PartloadHwcKW) steuert die Leistung von 1-9 kW in 1-kW-Schritten. Und das Beste: Er ist über den eBUS erreichbar und beschreibbar!

Wichtig: D.77 ist ein Service-Parameter auf Installateur-Ebene. Wer hier spielt, verlässt den Pfad der Endkunden-Bedienung. Das ist kein verstecktes Feature, sondern ein Diagnose-Werkzeug für Fachleute.

Die Architektur:

Systemarchitektur: SMA → Home Assistant → ebusd → eloBLOCK

Der Flow bei 5 kW PV-Überschuss:

  1. SMA Sunny Home Manager erkennt Überschuss
  2. Schaltet 5 virtuelle SEMP-Geräte ein (je 1 kW)
  3. Home Assistant zählt: 5 Geräte aktiv
  4. Automation sendet zwei Befehle via ebusd:
    • HeatingSwitch = 1 + HwcSwitch = 1 (Heizanforderung aktivieren)
    • PartloadHwcKW = 5 (Leistungsbegrenzung setzen)
  5. ebusd schreibt über eBUS an den eloBLOCK
  6. eloBLOCK heizt mit exakt 5 kW

Wichtig: Der eloBLOCK wird komplett über ebusd gesteuert - sowohl die Aktivierung (Heizanforderung) als auch die Leistungsstufe. Er hängt dafür an einem eigenen, vom Wärmepumpen-eBUS getrennten Bus, um Konflikte zu vermeiden.

Das Ergebnis: Statt 3/6/9 kW habe ich jetzt 1/2/3/4/5/6/7/8/9 kW - perfekt abgestimmt auf den aktuellen PV-Überschuss! 🎯


Hardware

Was du brauchst

KomponenteMein SetupHinweis
Wärmepumpe2x Vaillant aroTHERM plus VWL 125/6Kaskadenschaltung
HeizstabVaillant eloBLOCK VE 9/149 kW, 3 Heizstufen intern
PufferspeicherViessmann Vitocell 600LBeliebiger Speicher möglich
eBUS-AdaptereBUS Adapter Shield v5 C6~35 EUR
ServerRaspberry Pi 4Oder beliebiger Linux-Server
PV-WechselrichterSMA mit Sunny Home ManagerFür SEMP-Steuerung

eBUS-Adapter Installation

Der eBUS-Adapter wird direkt an den eBUS-Anschluss des eloBLOCK angeschlossen. Zwei Drähte, laut Doku Polarität egal. Wir halten sie trotzdem ein.

eBUS Adapter Shield v5 am Vaillant VR 32 B Buskoppler

Die eBUS-Verdrahtung sollte von einem Fachmann durchgeführt werden. Mein Installateur hat mir hier geholfen.

Elektro-Checkliste

9 kW sind kein Spielzeug. Mein Installateur hat geprüft:

  • Zuleitung und Absicherung für 9 kW ausgelegt
  • Anschluss am eloBLOCK fachgerecht
  • Pufferspeicher-Temperaturfühler funktioniert

Wenn du das nachmachst: Lass einen Elektriker drüberschauen. Nicht wegen des eBUS-Adapters (der ist Kleinspannung), sondern wegen der 9 kW Heizleistung.

Risiken und Sicherheit

Wichtig zu verstehen:

  • Garantie: Eingriffe über eBUS können die Herstellergarantie beeinflussen - vorher mit Installateur klären
  • Sicherheit: Der eloBLOCK hat eigene Sicherheitseinrichtungen (Übertemperaturschutz, automatische Abschaltung) - diese bleiben aktiv und werden durch die eBUS-Steuerung nicht umgangen
  • Worst Case: Bei Fehler in der Automation läuft der eloBLOCK maximal mit dem zuletzt gesetzten Wert weiter (z.B. 9 kW) bis die Sicherheitsabschaltung greift oder manuell eingegriffen wird
  • Empfehlung: Pufferspeicher-Temperatur überwachen und Automations-Logik mit Temperaturgrenze absichern

Empfohlene Failsafes in Home Assistant:

# Watchdog: Heizstab aus wenn keine Kommunikation in 2 Minuten
# ODER wenn ebusd/HA unavailable
input_datetime:
  heizstab_last_write:
    name: "Heizstab letzter Schreibzugriff"
    has_date: true
    has_time: true

# Watchdog-Automation (prüft jede Minute)
- id: heizstab_watchdog
  alias: "Heizstab - Watchdog"
  trigger:
    - platform: time_pattern
      minutes: "/1"
    - platform: state
      entity_id: sensor.heizstab_kw_aktiv
      to: 'unavailable'
    - platform: state
      entity_id: sensor.heizstab_status_leistungsbegrenzung
      to: 'unavailable'
  condition:
    - condition: or
      conditions:
        # Keine Kommunikation seit 2 Minuten
        - condition: template
          value_template: >
            {% set last = states('input_datetime.heizstab_last_write') %}
            {% if last in ['unknown','unavailable','none'] %}true
            {% else %}
              {{ (now() - as_datetime(last)).total_seconds() > 120
                 and states('sensor.heizstab_kw_aktiv')|int(0) > 0 }}
            {% endif %}
        # Sensor unavailable
        - condition: state
          entity_id: sensor.heizstab_kw_aktiv
          state: 'unavailable'
  action:
    - service: mqtt.publish
      data:
        topic: "ebusd-02/bai/HeatingSwitch/set"
        payload: "0"
    - delay: "00:00:01"
    - service: mqtt.publish
      data:
        topic: "ebusd-02/bai/HwcSwitch/set"
        payload: "0"
    - service: notify.notify
      data:
        message: "⚠️ Heizstab-Watchdog: Notabschaltung wegen fehlender Kommunikation"

# Failsafe bei HA-Start: Heizstab sofort auf 0
- id: heizstab_startup_failsafe
  alias: "Heizstab - Startup Failsafe"
  trigger:
    - platform: homeassistant
      event: start
  action:
    - service: mqtt.publish
      data:
        topic: "ebusd-02/bai/HeatingSwitch/set"
        payload: "0"
    - delay: "00:00:01"
    - service: mqtt.publish
      data:
        topic: "ebusd-02/bai/HwcSwitch/set"
        payload: "0"

# Temperaturgrenze: Heizstab aus bei Puffer > 60°C
- id: heizstab_temp_limit
  alias: "Heizstab - Temperaturgrenze"
  trigger:
    - platform: numeric_state
      entity_id: sensor.puffer_temperatur
      above: 60
  action:
    - service: input_boolean.turn_off
      target:
        entity_id:
          - input_boolean.heizstab_kw_1
          - input_boolean.heizstab_kw_2
          - input_boolean.heizstab_kw_3
          - input_boolean.heizstab_kw_4
          - input_boolean.heizstab_kw_5
          - input_boolean.heizstab_kw_6
          - input_boolean.heizstab_kw_7
          - input_boolean.heizstab_kw_8
          - input_boolean.heizstab_kw_9

Software-Stack

1. ebusd installieren

ebusd (Version 3.2) ist das Herzstück - es übersetzt zwischen eBUS-Protokoll und MQTT. Ich nutze Docker, um die Abhängigkeiten sauber zu isolieren und die Wartbarkeit des Host-Systems zu gewährleisten:

# Docker-Installation (empfohlen)
docker run -d \
  --name ebusd \
  --device=/dev/ttyUSB0 \
  -p 8888:8888 \
  -v /etc/ebusd:/etc/ebusd \
  john30/ebusd \
  -d /dev/ttyUSB0 \
  --mqtthost=192.168.1.100 \
  --mqttport=1883

2. eloBLOCK-Register finden (der schwierige Teil)

Hier wurde es spannend. Der Parameter D.77 (PartloadHwcKW) war nicht in der Standard-ebusd-Konfiguration. Ich musste das Register selbst finden.

Meine Methode: Statt blind Werte zu raten, nutzte ich einen Differential-Ansatz - alle Register vor und nach einer Änderung auslesen und vergleichen.

**Wichtig:** Der eloBLOCK hängt bei mir aktuell an einem eigenen eBUS, getrennt von der Wärmepumpe. So kann die WP den Heizstab nicht übersteuern.
  1. Alle Register auslesen mit dem Script readallvaillantregisters.sh:
#!/bin/bash
port=8888
addr=08

for (( i=0; i<512; i++ )) ; do
  h=$(printf "%4.4X" $i)
  ret=$(echo "hex ${addr}b509030d${h##??}${h%%??}" | nc -q 1 localhost $port | head -n 1)
  echo $i "=" $ret
done
  1. Ausgabe in Datei speichern: ./readallvaillantregisters.sh > before.txt

  2. Am eloBLOCK-Display den Wert D.77 von 6 auf 9 ändern

  3. Erneut auslesen: ./readallvaillantregisters.sh > after.txt

  4. Vergleichen: diff before.txt after.txt

Ergebnis: Register 169 (0xA9) änderte sich von 0106 auf 0109. Bingo! 🎯

Hinweis: Der eBUS liefert zwei Bytes zurück - das erste Byte ist Status/Skalierung, das zweite der eigentliche kW-Wert. Daher UCH (Unsigned Char, 1 Byte) in der ebusd-Config.

3. ebusd-Konfiguration erweitern

Erstelle eine Custom-Config für den eloBLOCK:

# /etc/ebusd/bai.0010023691.inc
# Die Nummer (0010023691) ist die Geräte-ID deines eloBLOCK - 
# findest du via: ebusctl info | grep "device ID"
# PartloadHwcKW - Heizstab Leistungsbegrenzung (1-9 kW)
r;wi,,PartloadHwcKW,d.77 hot water partload,,,,A900,,,UCH,,kW,Storage charging power (1-9 kW)

Erklärung:

  • r;wi = read + write install level
  • A900 = Hex-Adresse des Registers
  • UCH = Unsigned Char (Werte 1-9)
  • Hwc = “Hot Water Circuit” - der Parameter sitzt im Warmwasser-Kontext, wirkt beim eloBLOCK aber als Leistungsbegrenzung der elektrischen Heizstufe
Die Konfiguration habe ich als Pull Request #567 an das offizielle ebusd-configuration Projekt eingereicht - mit Unterstützung für drei bestätigte eloBLOCK-Modelle (0010023691, 0010023684, 0010023657). Großer Dank an john30 für das fantastische ebusd-Projekt und an die Community-Mitglieder, die beim Testen geholfen haben! Sobald der PR gemergt ist, entfällt die manuelle Custom-Config.

Testen:

# Aktuellen Wert lesen
ebusctl read PartloadHwcKW
# Ausgabe: 5

# Auf 3 kW setzen
ebusctl write -c bai PartloadHwcKW 3

# Verifizieren
ebusctl read PartloadHwcKW
# Ausgabe: 3

Home Assistant Integration

MQTT-Sensoren

Der ebusd publiziert automatisch nach MQTT. In Home Assistant:

# configuration.yaml
mqtt:
  sensor:
    - name: "Heizstab Status Leistungsbegrenzung"
      state_topic: "ebusd/bai/PartloadHwcKW"
      unit_of_measurement: "kW"
      icon: mdi:gauge
      value_template: "{{ value_json['0']['value'] | float(0) }}"
    
    - name: "Heizstab Status Heating"
      state_topic: "ebusd/bai/HeatingSwitch"
      value_template: "{{ value_json['0']['value'] | int(0) }}"

Input Booleans für 9 Stufen

Jede kW-Stufe bekommt einen eigenen Schalter:

# configuration.yaml
input_boolean:
  heizstab_kw_1:
    name: "Heizstab kW 1"
  heizstab_kw_2:
    name: "Heizstab kW 2"
  heizstab_kw_3:
    name: "Heizstab kW 3"
  heizstab_kw_4:
    name: "Heizstab kW 4"
  heizstab_kw_5:
    name: "Heizstab kW 5"
  heizstab_kw_6:
    name: "Heizstab kW 6"
  heizstab_kw_7:
    name: "Heizstab kW 7"
  heizstab_kw_8:
    name: "Heizstab kW 8"
  heizstab_kw_9:
    name: "Heizstab kW 9"

Template-Sensoren für SEMP

SEMP braucht Verbrauchssensoren - einen pro Stufe:

# configuration.yaml
template:
  - sensor:
      # Anzahl aktiver Stufen
      - name: "Heizstab kW aktiv"
        unique_id: heizstab_kw_aktiv
        unit_of_measurement: "kW"
        state: >
          {% set ns = namespace(count=0) %}
          {% for i in range(1, 10) %}
            {% if is_state('input_boolean.heizstab_kw_' ~ i, 'on') %}
              {% set ns.count = ns.count + 1 %}
            {% endif %}
          {% endfor %}
          {{ ns.count }}

      # SEMP Verbrauchssensoren (1kW pro Sensor, direkt vom eigenen Schalter)
      - name: "Heizstab Verbrauch kW 1"
        unique_id: heizstab_verbrauch_kw_1
        unit_of_measurement: "W"
        device_class: power
        state: "{{ 1000 if is_state('input_boolean.heizstab_kw_1', 'on') else 0 }}"
      # ... analog für kW 2-9

Technischer Hinweis: Der eloBLOCK braucht zwei Dinge:

  1. Freigabe: HeatingSwitch und HwcSwitch auf 1 setzen (= “Heizanforderung aktiv”)
  2. Leistung: PartloadHwcKW auf 1-9 kW setzen (= “Deckel”)

Ohne Freigabe heizt der eloBLOCK nicht, egal was in PartloadHwcKW steht.

Automation: Stufen an ebusd senden

# automations.yaml
- id: heizstab_setpoint_to_ebusd
  alias: "Heizstab - Setpoint an ebusd senden"
  trigger:
    - platform: state
      entity_id:
        - input_boolean.heizstab_kw_1
        - input_boolean.heizstab_kw_2
        - input_boolean.heizstab_kw_3
        - input_boolean.heizstab_kw_4
        - input_boolean.heizstab_kw_5
        - input_boolean.heizstab_kw_6
        - input_boolean.heizstab_kw_7
        - input_boolean.heizstab_kw_8
        - input_boolean.heizstab_kw_9
  mode: restart  # Debouncing: Bei schnellen Änderungen nur einmal senden
  action:
    - delay: "00:00:02"  # 2s warten für Stabilisierung
    - service: mqtt.publish
      data:
        topic: "ebusd/bai/PartloadHwcKW/set"
        payload: "{{ states('sensor.heizstab_kw_aktiv') | int(0) }}"
    - service: input_datetime.set_datetime
      target:
        entity_id: input_datetime.heizstab_last_write
      data:
        datetime: "{{ now().isoformat() }}"

Der eloBLOCK akzeptiert 0 (aus) bis 9 kW.

Relais-Schutz: Mindestlaufzeit pro Stufe

Der eloBLOCK schaltet intern Relais. Wenn der SMA Home Manager bei wechselnden Wolken alle 10 Sekunden zwischen 2 und 3 kW hin- und herspringt, grillst du dir die Kontakte.

Lösung: Jede Stufe läuft mindestens 3 Minuten. Außerdem nur während der Sonnenzeit (6-20 Uhr).

# In der ha-sma-semp Integration für jedes SEMP-Gerät:
# Minimum Running Time: 180 Sekunden
# Interruptions Allowed: Ja (aber mit Mindestlaufzeit)

Das verhindert Relais-Verschleiß und gibt dem System Zeit, sich thermisch einzupendeln.


SMA SEMP Integration

Der Trick mit 9 virtuellen Geräten

SMA SEMP (Simple Energy Management Protocol) kann Geräte nur ein- oder ausschalten - keine variable Leistungssteuerung. Das Protokoll kennt nur “An” oder “Aus”, nicht “50% Leistung”.

Der Workaround: 9 virtuelle Geräte à 1 kW. Der Sunny Home Manager sieht 9 steuerbare Verbraucher und schaltet bei 5 kW Überschuss einfach 5 davon ein. Home Assistant zählt die aktiven Geräte und setzt den entsprechenden kW-Wert via eBUS.

ha-sma-semp Installation

Ich nutze die ha-sma-semp Custom Component (getestet mit Home Assistant 2026.2):

  1. Installation via HACS
  2. Für jede kW-Stufe ein SEMP-Gerät anlegen:
NameOn/Off SwitchPower SensorMax Consumption
Vaillant eloBLOCK 1/9input_boolean.heizstab_kw_1sensor.heizstab_verbrauch_kw_11000 W
Vaillant eloBLOCK 2/9input_boolean.heizstab_kw_2sensor.heizstab_verbrauch_kw_21000 W
Vaillant eloBLOCK 9/9input_boolean.heizstab_kw_9sensor.heizstab_verbrauch_kw_91000 W

Sunny Portal Konfiguration

Sunny Portal: Eines der 9 virtuellen SEMP-Geräte (je 1kW)

Im Sunny Portal erscheinen die 9 Geräte automatisch. Wichtige Einstellungen:

  • Gerätetyp: Heater
  • Optional Energy: Ja (nur bei Überschuss)
  • Interruptions Allowed: Ja (flexibles Schalten)

Ergebnisse

Was funktioniert

Flexible Leistungssteuerung: 1-9 kW in 1-kW-Schritten statt nur 3/6/9 kW

Automatische PV-Optimierung: SMA steuert basierend auf Echtzeit-Überschuss

Weniger WP-Taktung: Überschuss geht in den Heizstab, nicht in den Kompressor

Volle Kontrolle: Manueller Override jederzeit möglich

Mehr Einblick: Durch ebusd bekomme ich deutlich mehr Daten aus meiner Anlage als über die offizielle App. Temperaturen, Zustände, Diagnose-Parameter in Echtzeit.

Erste Zahlen

Die Integration läuft seit wenigen Wochen. An sonnigen Wintertagen sehe ich bereits:

  • Stufenweise Ansteuerung bis 4-5 kW mittags
  • Reaktionszeit unter 1 Minute
  • Saubere Übergänge zwischen Stufen
  • Der eloBLOCK nimmt exakt die angeforderte Leistung (gemessen am SMA Sunny Home Manager 2.0 - nicht direkt am eloBLOCK, aber am stabilen Hausverbrauch nachvollzogen)

Energetische Einordnung: Der Heizstab hat einen COP von 1 - aus 1 kWh Strom wird 1 kWh Wärme. Die Wärmepumpe schafft COP 3-5. Trotzdem macht der Heizstab bei PV-Überschuss Sinn: Der Strom wäre sonst ins Netz gegangen (Einspeisevergütung ~8 ct/kWh), stattdessen spare ich Wärmepumpenstrom für später.

Hochrechnung (Theorie)

Meine 2025er Zahlen (29 kWp Ost/West, Osnabrück):

KennzahlWert
PV-Ertrag22,9 MWh
Einspeisung16,2 MWh
Eigenverbrauch6,6 MWh (29%)
Autarkie38%

Mit der Heizstab-Steuerung könnte ich theoretisch ~1.500-1.800 kWh/Jahr zusätzlich in den Puffer verschieben. Aber wie sieht die ehrliche Rechnung aus?

  • Eingesparter WP-Strom: Die WP hätte mit COP 3 nur ~500 kWh Strom gebraucht für die gleiche Wärme → 500 kWh × ~30 ct = ~150€ gespart
  • Entgangene Einspeisevergütung: 1.500 kWh × ~8 ct = ~120€ Verlust
  • Netto-Ersparnis: ~30€/Jahr 😅
  • Eine Voll-Ladung 600L (35→60°C) = ~17 kWh = ca. 6-9 WP-Starts weniger

Warum ich das trotzdem mache:

  • Weniger WP-Taktung = weniger Verschleiß am Kompressor
  • Der Puffer wird als thermische Batterie genutzt - Überschuss-Strom mittags speichern, abends nutzen
  • Jede kWh, die lokal bleibt, entlastet das Netz zur Mittagsspitze

Ehrliches Fazit: Viel Aufwand für ~30€ im Jahr - monetär lohnt sich das kaum. Aber der Bastelspaß war es mir allemal wert. Was ich definitiv nicht mache: weitere Einschub-Heizstäbe für den Puffer kaufen.

SMA Sunny Portal: Energieverbrauch der eloBLOCK-Stufen

Home Assistant Dashboard: Speichertemperatur und Heizstab-Steuerung

Die richtig spannenden Zahlen kommen im Sommer - wenn die Sonne höher steht und der Pufferspeicher richtig überladen werden kann. Ohne Kompressor, nur mit Überschuss-Strom.


Learnings

Was ich gelernt habe

  1. Register-Scanning ist Gold wert: Das diff-Verfahren (vorher/nachher) hätte mir Tage sparen können - wenn ich es früher entdeckt hätte.

  2. SEMP ist mächtiger als gedacht: Der Trick mit mehreren virtuellen Geräten umgeht die fehlende Leistungssteuerung elegant.

  3. ebusd ist komplex aber dokumentiert: Die Community ist aktiv und hilfsbereit.

  4. Debouncing ist wichtig: Mit mode: restart und einem kurzen Delay verhindert man MQTT-Spam bei schnellen Stufenwechseln - schont den eBUS und die Schaltrelais.

  5. Installateure sind wichtig: Mein Installateur hat mir die Grundlagen erklärt und bei der Verdrahtung geholfen.

Was ich anders machen würde

  • Früher mit Register-Scanning anfangen statt in Foren nach fertigen Configs zu suchen
  • Mehr Logging von Anfang an - hätte beim Debugging geholfen

Wunschzettel an die Hersteller

Dieses Projekt zeigt: Es gibt einen echten Markt für smarte Steuerung von Bestandsanlagen.

Kaskadenschaltungen, PV-Überschussnutzung, flexible Heizstab-Steuerung - das sind keine Nischen-Anforderungen. Mit der Energiewende werden diese Setups häufiger, nicht seltener.

Konkrete Ideen:

  1. eBUS-Dokumentation: Die Register sind kein Geheimnis - eine offizielle Doku würde Integratoren helfen und Support-Tickets reduzieren.

  2. Kaskaden-Support: Viele Haushalte haben mehrere Wärmepumpen oder Hybridanlagen - EEBUS und myVAILLANT könnten das unterstützen.

  3. API für Partner: Installateure und Systemintegratoren könnten offizielle Lösungen bauen, die Vaillant-Produkte noch attraktiver machen.

  4. Offene Schnittstellen als Verkaufsargument: In Zeiten von Smart Home und Energiemanagement sind dokumentierte APIs ein echtes Differenzierungsmerkmal.

Die Hardware ist exzellent. Mit mehr Offenheit bei der Software-Integration könnte sie noch besser werden.


Fazit

Mit ebusd, Home Assistant und SMA SEMP habe ich meinen Vaillant eloBLOCK von einem starren 3-Stufen-Gerät in einen flexiblen 9-Stufen-Verbraucher verwandelt.

Der Aufwand: Mehrere Wochen Recherche, Register-Scanning und Konfiguration.

Das Ergebnis: Maximaler PV-Eigenverbrauch, weniger WP-Taktung, volle Kontrolle.

Ein kleiner Beitrag zur Energiewende: Erneuerbare Energie direkt nutzen statt ins Netz einspeisen - gerade zur Mittagsspitze, wenn die PV-Anlage am meisten liefert.

Das Projekt zeigt, wie viel Potenzial in Bestandsgeräten steckt, wenn man die Software-Schnittstellen öffnet.

Für Technikbegeisterte mit ähnlichem Setup kann ich diesen Weg nur empfehlen. Die Komponenten sind günstig (~35 EUR für den eBUS-Adapter), die Software ist Open Source, und die Community ist hilfsbereit.

Lust auf Austausch oder Zusammenarbeit? Ich unterstütze dabei, proprietäre Systeme sicher in moderne Cloud-Architekturen zu integrieren. Schreib mir oder lass uns diskutieren, wie wir Legacy-Hardware smart machen können.


Ressourcen


Disclaimer

Dieses Projekt ist experimentell und nicht vom Hersteller unterstützt. Änderungen am eBUS können die Garantie beeinflussen. Arbeiten an der Heizungsanlage sollten von Fachpersonal durchgeführt oder begleitet werden.

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